Donnerstag, 31. Dezember 2009

Patron Service Model

Autorin SOR, Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, Dezember 2009
Ein neues Organisationsmodel für die Bereiche Marketing und Development gewinnt unter amerikanischen Orchestern zunehmend an Popularität. Das sogenannte Patron Services Model vereint die traditionell getrennt geführten Abteilungen Marketing = Kartenverkauf und Development = Fundraising. Ziel dieser Zusammenlegung von Resourcen ist, mit aufeinander abgestimmten Marketing- und Developmentaktivitäten, die Einnahmen aus beiden Bereichen pro Kunde bzw. Haushalt zu optimieren.
Diese Einnahmen stehen in der Regel in proportionalem Verhältnis zueinander. Je höher die Besuchsrate von Konzerten und Events pro Kunde, umso höher die Bereitschaft zu spenden und grössere Summen zu spenden.
Basierend auf ihren Beteiligungsgrad werden die Kunden in verschiedene Segmente etwa Neukunden, Stammkunden und VIP Kunden unterteilt. Jedes Mitarbeiterteam gestaltet dann die Marketing und Development Kommunikation für jeweils ein Kundensegment. Die Kunden mit dem grössten Aktivitäts-Portfolio werden individuell betreut (Stichwort Private Banking), im Neukunden Segment betreut ein Mitarbeiter tausende Kunden. Der Vorteil ist, dass VIP Kunden z.B. Vorstandsmitglieder niemals um eine grosse Summe gebeten werden, nachdem sie gerade das 22-Konzerte-Abonnement verlängert haben. Für ein anderes Segment kann es bedeuten, dass einen Massenaufruf zu Kleinstspenden (Annual Campaign) nicht zeitgleich oder gerade zeitgleich mit dem Ausverkauf von Restkarten stattfindet.
Idealerweise findet die Koordination all dieser Massnahmen auch in Betrieben statt, in denen die Abteilungen Marketing und Development getrennt geführt werden. In der Alltagspraxis ist die Kommunikation jedoch oftmals weniger optimal und die Kunden (Patrons) weniger transparent. Von grosser Bedeutung für die Koordination der Bereiche ist eine Marketing/Development Software, die die Speicherung aller relevanten Kundendaten und Aktivitäten ermöglicht. Ein Blick auf ein Patron Services Organigramm zeigt, dass für die Auswertung der Kundendaten ein Heer an Mitarbeitern benötigt wird, um daraus zielgruppenspezifische Kommunikation und Angebote zu entwickeln.
Das Kundenfeedback zum neuen Servicemodel ist durch die Branche hinweg sehr positiv. Intern wird an der Optimierung des Patron Service Model, das z.B. in Detroit seit einem Jahr in Betrieb ist, wird weiterhin gearbeitet: Eine logische Eingliederung der Bereiche externe Kommunikation also Werbung und PR, Kartenbüro, Internetseite und auch Art Direktion gibt es bei diesem Modell nicht.

Montag, 7. Dezember 2009

Art Basel Miami

Als die Galeristen am Samstag neue Ware haengten, war es nicht wie im letzten Jahr die zweite Garnitur mit B-Preisen. Diesmal rueckte Ware nach, da tatsaechlich verkauft wurde. Besonders erfolgreich waren die Galeristen, welche mit kleinen Formaten angereist waren. Rote Punkte auf allem was unter $5,000 verkauft wurde. Und ein zweiter Trend liess sich beobachten: Noch nie war die klassische Moderne auf einer Messe fuer Zeitgenoessische Kunst so stark vertreten. Sammler und Galeristen gingen auf Nummer sicher. Auch in der Art Positions section, dem Bereich fuer junge Galeristen, diesmal in den raeumlichen Mittelpunkt gerueckt, fand sich wenig Halsbrecherisches. Marc Spiegler, Leiter der Art Basel Miami, hatte selbst zum Hoerer gegriffen, um die letzten Plaetze zu fuellen. Die grossen Parties fanden auch in diesem Jahr nicht statt. Aber es gab reichlich Grund zum Laecheln.

Mittwoch, 25. November 2009

Fotos Bitte!

Fotografieren im Museum, Ja oder Nein? Vielfach diskutiert von der New York Times bis zum Diskussionsforum der Amerikanischen Museum Association Museum-L listserv. In der Praxis hat sich bisher wenig geaendert.
Waehrend Museen mit vornehmlich interaktiven Ausstellungsstuecken wie z.B. Kinder- und Wissenschaftsmuseen locker mit Privataufnahmen im Ausstellungsraum umgehen, verfolgen insbesondere Kunstmuseen die strenge Ausfuehrung der "Zero-Picture-Policy". Die Gruende sind durchaus nachzuvollziehen.
Fuenf Gruende warum das Fotografieren in den meisten amerikanischen (und deutschen) Museen immer noch verboten ist:

1. Schutz des geistigen Eigentums
Museen sind durch verschiedenste Vertraege und das Gesetz, zum Schutz des geistigen Eigentums von Kuenstlern und Kreativen verpflichtet. Oftmals ist es einfacher, eine fuer alle Ausstellungsstuecke restriktive Regel zu vertreten.

2. Konservierung
Blitzlicht beschaedigt die Kunstwerke. Kuratoren argumentieren, dass eine hellere Beleuchtung, die Fotos ohne Blitzlicht ermoeglicht, den Kunstwerken auf Dauer ebenfalls schadet.

3. Einnahmen
Wenn die Besucher ihre eigenen Aufnahmen machen, kauft dann noch einer die Kataloge und Postkarten im Museumsshop?

4. Aesthetik
Fotografieren kann andere Besucher stoeren insbesondere Gruppenaufnahmen oder unangemessene Gesten (in der Antikensammlung).

5. Sicherheit
Mit Fotoapparat und Videokamera laesst sich ein Museum herrlich ausspionieren.

Nina Simon, die den fantastischen Blog Museum 2.0 schreibt, fuehrt in einem kuerzlich veroeffentlichten Artikel fuenf Grunde an, warum das Fotografieren in Museen gestattet sein sollte:

1. Besuchern Moeglichkeiten bieten
Solange die Sicherheit von Kunst oder Besuchern nicht gefaehrdet ist und kein illegales Verhalten ermutigt wird, sollten Museen Besuchern bekannte und bequeme Moeglichkeiten bieten, sich mit Kunst vertraut zu machen.

2. Teilnahme im Leitbild verankern
Wie kann sich ein Besucher als "Teilhaber" eines Museums fuehlen, wenn er als erstes gefragt wird, seine Kamera (Handy) wieder einzustecken?

3. Erinnerungen schaffen
Studien zeigen, dass persoenliche audio und visuelle Aufnahmen helfen, Erlebnisse
und Inhalte besser zu erinnern.

4. Persoenliche Erinnerungen
Mutti zu Fuessen der Nike - Wer eine meisterhafte Aufnahme der Skulptur will, wird diese immer noch im Museumsshop kaufen.

5. Bilder veroeffentlichen
Ist es tatsaechlich so schlimm, wenn jemand seine Fotos aus dem Museum auf flickr einstellt? Ist das nicht die Form von authentischem Maketing, die sich jeder Kulturmanager wuenscht? Und wie wiegt man den etwaigen Verlust von Postkartenverkaeufen gegen die durch flickr Fotos gewonnene Kunden auf?

Mir scheint eine grosszuegige Fotoregelung wegweisend fuer eine besucherorientierte Institution und aktive Besucherteilnahme. Was sagen Sie dazu?

Freitag, 13. November 2009

Statistik

Amerikanische Kulturinstitutionen versuchen alles: Twitter, Facebook, YouTube und mehr. Der Grund: Millionen Menschen sind schon dort.

- 4/5 aller US-Amerikaner sind in digitalen sozialen Netzwerken aktiv
- Facebook ist mit 250 Millionen Nutzern das viertgroesste Land der Welt
- dessen "Bewohner" 4 Milliarden Minuten am Tag auf Facebook verbringen
- 50% aller Facebook Nutzer checken ihren Status mindestens einmal am Tag
- 30% aller Facebook Nutzer sind in den USA

Internet-Nutzer
- Kreative (24%) erstellen und veroeffentlichen von Informationen
- Kritiker bewerten und rezensieren von Inhalten
- Sammler tagging und organisation z.B. von links und gruppen
- Mitmacher(50%) Mitglied in sozialen Netzwerken
- Beobachter lesen Blogs, gucken videos
- Inaktive (18%) keine Teilnahme

Teenager lieben Facebook und SMS. Die Zahl der 18-24 bei Twitter steigt, seitdem amerikanische Starts wie Britney Spears, Ashton Kutcher und Miley Cyrus das Tweeden fuer sich entdeckt haben.

- Facebooks Nutzer sind meist weiblich und ueber 35
- Twitters ca. 30 Millionen Nutzer sind zumeist maennlich
- MySpace hat eine junge Zielgruppe von Tweens
- LinkedIn wird hauptsaechlich als Business Netzwerk genutzt
- Second Life hat ein wenig von seinem Glanz verloren und die Nutzerzahl sinkt

Welches ist Ihre Zielgruppe? Haben Sie das ideale Netzwerk gefunden?

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Kulturpolitik: Die Zukunft der Kulturinstitutionen

Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, September 2009
Im Juni veröffentlichte der National Endowment for the Arts eine Studie, die belegt, dass Kulturbesuche seit 1982, dem Jahr der ersten Untersuchung, kontinuierlich in allen Sparten (Jazz, Klassische Musik, Oper, Musicals, Theater, Ballett) um bis zu 31% abnahmen. Diese alarmierenden Zahlen entfachten in den USA einmal mehr die Debatte über die Relevanz von Kulturinstitutionen. Dass die Angebote der Kulturinstitutionen nur von einem geringen Teil der Bevölkerung genutzt werden und trotz Steuerbefreiung Eintrittsgelder verlangt werden, heizt die Debatte um die steuerliche Bevorzugung von Kulturinstitutitonen weiter an. Kulturmanager müssen sich nicht nur vermehrt in der Öffentlichkeit rechtfertigen, sondern sich ebenfalls kritischen Fragen von Seiten der Politiker stellen.
Rückenstärkung kommt aber doch zumindest für amerikanische Orchester aus dem Bereich der Lobbyisten in Washington, von denen 95% überzeugt sind, dass Orchester Qualität und „excellence“ für die Gesellschaft bedeuten. Popkultur und Konsum bestimmen den amerikanischen Alltag und Orchester und alle anderen Kulturinstitutionen können durch ihr Angebot dazu einen Ausgleich schaffen. In Zukunft müssen sich amerikanische Kulturinstitutionen verstärkt im Bereich Bildung für alle Altersklassen und alle sozialen Schichten engagieren, um relevant zu bleiben und Qualität zu sichern. Wie sieht die Gesellschaft der Zukunft aus und sollten Kulturinstitutionen aktiv an der Zukunftsplanung teilnehmen? Kulturinstitutionen stehen vor der Herausforderung nicht nur ihr oftmals in der Europäischen Kulturtradition wurzelndes Produkt für einen zunehmend multi-kulturellen amerikanischen Markt zu erneuern sondern darüber hinaus auch mit einem grossen Teil der Bevölkerung Austauschbeziehungen zu entwickeln. Finanzielle Transparenz schaffen, künstlerische Qualität anbieten und durch kulturelle Bildung Investitionen in die Gesellschaft tätigen – dies sind nur einige der Herausforderungen von Kulturinstitutionen. Schnelles Handeln ist gefordert und möglicherweise werden am Ende des Prozesses Kulturinstitutionen in veränderter Organisationform und mit neuer Mission stehen.

Dienstag, 6. Oktober 2009

Der stille Kurator

ist in diesem Herbst die Rezession.
Vergeblich wird der Museumsbesucher nach sogennanten Blockbustern suchen. Ausstellungen, fuer die sich die Besucherschlangen um den Haeuserblock winden. Die erste Blockbuster Ausstellung fand 1976 im Metropolitan Museum of Art statt. "King Tut" zog mehr als 8 Millionen Besucher an. Heute planen viele Museen mindestens eine Blockbuster Ausstellung im Jahr. Monet, Picasso und immer wieder King Tut. Das zieht die Massen an und man hofft, neue Freunde fuer's Museum zu gewinnen.
Blockbuster sind in der Regel mit ausserordentlich grossen Kosten verbunden. Transport, Sicherheit und Marketing sind einige der Kosten die anfallen, bevor der erste Besucher die Ausstellunbg ueberhaupt betritt. In grossen Haeusern sind es sechs oder siebenstellige Summen die verauslagt werden, bevor eine Eintrittskarte verkauft wird.
Museen, wie alle anderen Kulturinstitutionen, sehen einen Rueckgang in Spenden von Stiftungen und Privatpersonen, Sponsoren sowie dem Schwund von Stiftungskapital. Entlassungen, kuerzere Oeffnungszeiten und Verlaengerung der Ausstellungen sind allerorts zu beobachten. Da bleibt kein Geld fuer die kostspielige Anschubfinanzierung von Blockbustern.
Was also tun? Die Antwort liegt im eigenen Haus. Jacqueline Trescott von der Washington Post beobachtete, wie Kuratoren in ganz Washington in ihre Depots stiegen, um ihre Schaetze zu sichten. Hochkaraetige Meistersuecke kommen da zum Vorschein und werden den Besuchern in neuem Glanz praesentiert. "Die Dauerausstellung zur Sonderausstellung machen, strebt doch jeder heimlich an", sagt Earl "Rusty" Powell III, Direktor der Nationall Gallery.
Auch andernorts wird wird zusammengestueckelt. Das Metropolitan Museum of Art leiht sich Vermeers "Milchmaedchen" und praesentiert es mit fuenf eigenen Vermeers. Das Art Insitute of Chicago leiht sich Caravaggios "Abendmahl in Emmaus" und paart es mit anderen Bildern aus dem Umkreis des Kuenstlers.
Brent Glass, Direktor des National Museum of American History gibt zu, fuer die geplante Ausstellung ueber Amerikas Wirtschaft bisher keinen Sponsor gefunden zu haben: "Wir planen weiter, aber muessen die Ausstellung eventuell in mehreren Phasen zeigen. Aufgeben tun wir nicht."
Knappheit fuehrt zu groesserer Kreativitaet. Das ist Kuenstlern und Kuratoren bekannt. Die Rezession wird eine Vielzahl von neuen und ungewoehnlichen Partnerschaften bedingen. Der National Portrait Gallery, sagt Chefkurator Frank Goodyear, wurden einige Aufnahmen von beruehmten Nachrichtensprechern fuer den Audioguide zur Verfuegung gestellt. "Die verlangen dafuer keinen Pfenning."

Montag, 28. September 2009

Kulturmanagement Jobboersen in den USA

Diese Woche erreichte mich eine Anfrage aus Kaiserslautern:
"Wie finde ich Kulturmanagement Jobs in den USA?"

Hier meine Antwort in Kuerze:
Die besten Jobboersen findet man auf den Seiten der Berufsverbaende z.B. American Museum Association, Opera America, League of American Orchestras. Das fuehrende Medium fuer Development (Fundraising) Jobs ist The Chronicle of Philanthropy. Aber auch Higher Education Jobs bietet eine gute Uebersicht.
Auf der Suche nach Kulturmanagement grundsaetzlich nach "arts administration" oder "arts management" suchen.
Im allgemeinen listen die meisten Organisationen ihre offenen Stellen auf ihrer Website unter "opportunities" oftmals in der Rubrik "about".

Also, viel Glueck und gerne beantworte ich weitere Fragen!

Mittwoch, 23. September 2009

Arts Organizations Going Green

Das Britische Kulturmanagement Magazin ArtsProfessional widmet den Titel seiner aktuellen Ausgabe dem Thema "Arts and Climate Change". In mehreren Artikeln wird die Rolle von Kulturinstitutionen als Konsumenten, Vorbild und Katalysator zum Thema Umweltschutz diskutiert. Lesen Sie in dieser Ausgabe meinen Bericht aus der US-Kulturmanagement Praxis "Going green" und welche Kulturinstitutionen den Oeko-Trend anfuehren. http://www.artsprofessional.co.uk/magazine/view.cfm?id=4634&issue=202 (freier Zugang fuer registrierte Leser inkl. kostenlosem Mini-Abo)

Montag, 14. September 2009

Hollywood feiert das Ehrenamt

61,8 Millionen US-Amerikaner (26.4% aller Erwachsenen) ueben eine gemeinnuetzige Taetigkeit aus. Praesident Obama nutzte die Begeisterung bei seinem Amtsantritt im Januar, um die Themen seiner Agenda darunter das Ehrenamt zu promoten. Jetzt kommt ein maechtiger Partner aus Hollywood zu Hilfe.
Vom 19. Oktober an wird die amerikanische Unterhaltungsindustrie das Ehrenmant, die freiwillige Mitarbeit an gemeinnuetzigen Zwecken, eine Woche landesweit auf dem Bildschirm ehren. Mit dem Ziel mehr Menschen fuer das Ehrenamt zu begeistern, widmen ueber 60 Sender dem Thema ihre Sendezeit in den unterschiedlichsten Formaten: Morgennachrichten, Seifenopern, Krankenhaus und Polizei Dramen, Komoedien, Reality TV und Talk Shows. Selbst die Verzweifelten Hausfrauen aus der Wisteria Lane werden auf den Plan gerufen und gruenden eine Nachbarschafts Selbsthilfegruppe, Motto "Hier wird aufgepasst".
Die Geschichten sind entweder in die Serien hineingeschrieben und die Charaktere arbeiten fuer existierende oder fiktive Organisationen oder es werden in den Talkshows und Nachrichten verschiedenste Menschen und ihre Mitarbeit portraitiert. In einer sogenannten "tagline" die dem Abspann folgt, werden Schauspieler zum Ehrenamt aufrufen. Das "tagging for causes", der Aufruf am Ende einer Sendung, wurde bereits im letzten Jahr zum Thema Umweltschutz erfolgreich in in Szene gesetzt. (Hier ist ein Zusammenschnitt von promo spots mit den Stars von "Gossip Girl" http://www.youtube.com/watch?v=ld4iVZAVsqc).
Die Initiative, die unter dem Titel "I Participate" laeuft, wurde von Hollywoods groesster gemeinnuetziger Organisation der Entertainment Industry Foundation ins Leben gerufen. Mit einem Vorstand aus Film, Fernsehen, Agenturen und Gewerkschaften sind hier Hollywoods Maechtigste am Werk. Hollywood als US-Amerikas groesstes Exportgut wird international rezipiert. Werden wir villeicht demnaechst Mutter Beimer, Stefan Raab, Lena Odenthal und Guenther Jauch bei Fuehrungen im Museum, Essensausgaben bei der "Tafel" oder Vorlesen fuer Kinder im Krankenhaus zusehen? Wuerde das unser Bild vom Ehrenamt, das in Deutschland oftmals als verstaubt und Beschaeftigung fuer Senioren gesehen wird, aufwerten?

Montag, 7. September 2009

Oper sucht den Superstar

Sind Sie auch auf der Suche nach neuem Publikum fuer die Oper? Hier ist eine Idee aus Cincinnati:
Die Cincinnati Opera gab puenktlich zum Festival Auftakt im Juni die Suche nach dem "Opera Idol™" bekannt (in Anlehnung an die amerikanische TV-Talentshow "American Idol", Titel dieses Eintrags in Anlehnung an die deutsche Ausgabe "Deutschland sucht den Superstar"). Jeder, der sein Operntalent unter Beweis stellen wollte, war eingeladen, vor Juroren der Oper, dem Opernstudio der Hochschule und Musikkritikern vorzusingen. 160 Personen jeglichen Alters mit und ohne Gesangsschulung folgten dem Aufruf. Auf die Buehne kam alles was unterhaelt "Billie Jean" als Arie, patriotische Lieder und Wagner in feinstem Deutsch. Die 2.719 Sitze eines Musical Theaters waren fuer das Halbfinale restlos ausverkauft. Das Publikum bestimmte 6 Finalisten aus deren Mitte ueber 10.000 Internet Waehler die Siegerin kuerten. Margeret Russo, Mutter aus einem Vorort von Cincinnati und Texterin eines Marketing Bueros, freut sich ueber einen bezahlten Gast-Auftritt in der naechsten Saison. Eine Kostprobe gab's schon in diesem Jahr als die Saengerin vor dem Saison Finale im ausverkauften Konzersaal eine Arie anstimmen durfte. Das ueberraschte Publikum freute sich mit der Saengerin. Ein bisschen "Paul Pott Romantik", viel lokale und nationale Presse, eine ausverkauftes Haus und tausende Fans zauberten auch ein Laecheln auf die Gesichter der Veranstaler.

Trend Watch Internet-Spenden

Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, Juli 2009
Während Kulturinstitutionen aller Disziplinen einen allgemeinen Rückgang an Spenden verzeichnen, hält ein Trend weiterhin stark an: Spendeneinnahmen über das Internet. Der Gesamtanteil von Internet-Spenden am Spendenvolumen liegt weiterhin unter 10%. Doch einer Studie des „Chronicle of Philanthropie“ zufolge ist das Volumen der Internet-Spenden im vergangenen Jahr um 28% gestiegen, bei social-profit (dieser Begriff ersetzt im folgenden den Begriff non-profit) Kulturinstitutionen sogar um weitaus mehr.
In der Praxis haben sich folgende Massnahmen beim Einwerben von Internet-Spenden als erfolgreich erwiesen:
Setzen von Deadlines in E-Mail Spendenaufrufen
Fragen nach kleinen Summen
Kombination von SMS und E-Mail Spendenaufrufen
Sponsoren senden einen Spendenaufruf an ihre eigenen Datenbank
Multimedia-Kampagnen: Soziale Netzwerke, Video, E-Mail und SMS
Obwohl alle Altersgruppen im Internet präsent sind, ist der durchschnittliche Internet-Spender relativ jung. Aus diesem Grund sind Spendenkampagnen, die diese Zielgruppe durch eine Kombination von Aufrufen durch „Neue Medien“ ansprechen besonders erfolgreich. Der neueste Fundraising Trend in den USA ist das Spenden übers Handy. Diese Methode wurde erstmals auf einer Sportveranstaltung (Superbowl) im Februar 2008 vorgestellt. Nach gut einem Jahr hat sich die Idee durchgesetzt und wird von Kulturinstitutionen aller Art mit stetig zunehmendem Erfolg sowohl bei Kunden als auch bei durch Permission-Marketing generierten Kontakten eingesetzt.
In Bezug auf das Spenden übers Handy hat man in Deutschland übrigens schon länger Erfahrung gesammelt: Der erste überaus erfolgreiche Massen-Spendenaufruf mit der Bitte via SMS zu spenden, fand in Deutschland 2004 zugunsten der Tsunami-Opfer statt.

Dienstag, 21. Juli 2009

Ehrenamt in der Wirtschaftskrise

Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, April 2009
Kulturinstitutionen in den USA verzeichnen in diesen Tagen einen raschen Anstieg von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Die grosse Mehrheit sind ehemalige Berufstätige, die ihre Arbeit vor kurzem verloren haben und die Arbeitslosigkeit sinnvoll überbrücken wollen.
Die Motive für eine ehrenamtliche Mitarbeit in dieser Situation sind das Füllen einer Lücke im Lebenslauf, das Finden einer dankbaren Beschäftigung und das Einbringen und Weiterentwickeln der professionellen Fähigkeiten.
Kulturinstitutionen, die in den letzten Monaten den durch die Wirtschaftskrise bedingten allgemeinen Rückgang von Corporate Volunteering beklagten, haben jetzt Zugriff auf neue Arbeitskräfte. Diese gleichen auch den Verlust von langjährigen Ehrenamtlichen aus, die sich ebenfalls aufgrund der wirtschaftlichen Situation von Unternehmen stärker am Arbeitsplatz engagieren müssen und weniger Zeit für das Ehrenamt aufbringen können.
Kulturinstitutionen, die es verstehen, Bedarfe im eigenen Betrieb zu identifizieren, können aus einem Überangebot von ehrenamtlichen „Arbeitskräften“ aus allen Berufsparten wählen.
Als Gegenleistung kann durchaus die Gelegenheit der sozialen und professionellen Vernetzung der ehrenamtlichen Mitarbeiter untereinander sowie mit dem Betrieb gesehen werden. Auch das Einbringen von professionellen Fähigkeiten in einem anderen Arbeitsumfeld kann als Form beruflicher Fortbildung betrachtet werden .
Im Internet wurden schnell verschiedene Plattformen für Ehrenamtliche Helfer gegründet. „We’ve Got Time to Help“ ist ein blog aus Portland (Bundesstaat Oregon), der den Fortschritt von ehrenamtlichen Nachbarschaftsprojekten beschreibt. Seit neuestem konkurrieren ehrenamtliche Arbeitsangebote mit Kleinanzeigen auf der Internetanzeigenseite „Craigslist“ und im populärsten sozialen Netzwerk der Welt „Facebook“ treffen sich täglich Angebot und Nachfrage.
Keiner kann voraussagen wie lange dieser unvermutete Andrang von ehrenamtlichen Mitarbeitern anhält. Die Vermutung liegt nahe, dass sobald der wirtschaftliche Aufschwung einsetzt, die Arbeitskraft wieder in den professionellen Bereich über geht. In der Zwischenzeit ergibt sich für Kulturinstitutionen die einmalige Möglichkeit, Aufgaben und Projekte mit unbezahlter aber geschulter Arbeitskraft voran zu treiben und gleichzeitig ein anhaltendes Bewusstsein für den Betrieb und die Bedürfnisse von Kulturinstitutionen zu schaffen.
„Als ich noch Arbeit hatte, war es einfacher, finanzielle Unterstützung zu geben. Jetzt ist es einfacher, meine Zeit zu spenden“ (Herr Broughton, ehemals Neigborhood Community Bank). Die Institution, die es versteht, die Zeit dieser Arbeitssuchenden sinnvoll auszufüllen und ihr Talent zu nutzen, wird einen grossen Vorteil haben, wenn diese Personen wieder finanzielle Unterstützung geben können.

Freitag, 12. Juni 2009

Nonprofit vs. Social Profit

Als Ergebnis von neuen Technologien, Generationswandel und oekonomischen Unterschieden, sich veraendernden demographische Faktoren, zunehmender kultureller Vielfalt in Staedten der USA, dem Trend zum Anti-Intellektualismus, zunehmender Konkurrenz um die Freizeit von Menschen, Kuerzungen im Bildungswesen, abnehmender Berichterstattung ueber Kultur in Zeitungen und vielen anderen Faktoren, findet ein grundsaetzlicher Wandel in den Wechselbeziehungen von Menschen, Raum, Zeit, Kultur, Lebensarten, Konsum und Kommunikation statt. Dies alles bedingt einen Kulturwandel dem Kulturinstitutionen sich anpassen muessen, um relevant zu bleiben. In diesem Sinne muss ein Wandel im Selbstverstaendnis von Kulturinstitutionen stattfinden.
In diesem Zusammenhang ist auch die Betrachtung des Begriffs "Nonprofit" interessant, der im wirtschaftlichen Sinne meint, dass eine Nonprofit Organisation keine finanziellen Gewinne an die Teilhaber abwirft. Der Begriff reduziert den Zweck von Nonprofit Organisationen auf einen finanziellen. Stattdessen sollte der gemeinnuetzige Zweck, den diese Organisationen fuer die Gesellschaft leisten bereits in der Organisationsform benannt sein: Social Profit Organisation. Dieser Begriff erinnert zugleich daran, dass Kulturorganisation in einem sozialen und kulturellen Kontext existieren. Aendert sich dieser Kontext, ist auch ein Wechsel fuer die Kulturinstitutionen unabdingbar.

Sonntag, 10. Mai 2009

Kulturmarketing in Zeiten der Rezession

Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, Februar 2009
Die Wirtschaft der USA steckt tief in der Rezession und Kulturinstitutionen sind nicht nur direkt in den drei dominierenden Einnahmebereichen durch größere Zurückhaltung der Besucher bei Ausgaben, deutlich geringere Erträge aus Stiftungskapital und weniger Spenden betroffen, sondern auch durch den Ausfall von Ehrenamtlichen Mitarbeitern, die durch Corporate Volunteering Programme von Firmen unterstützt wurden.
Der in Zeiten der Rezession propagierte Rückzug auf Kernkompetenzen bedingt auch für Kulturinstitutionen den Fokus auf Kommunikation mit Kernzielgruppen: Abonnenten, regelmässige Besucher, langjährige Spender und Sponsoren. Dies kann durchaus als Chance verstanden werden. Werbeplätze und –zeiten sind so günstig wie seit Jahren nicht mehr, insbesondere nachdem Werbepreise im Herbst zunächst durch die Präsidentschaftskampagnen und dann durch das Weihnachtsgeschäft vielerorts in unbekannte Höhen gestiegen waren. Präsident Obama’s beispielhafte Medienkampagne trieb Werbepreise derart in die Höhe, dass selbst grosse Konzerne dazu veranlasst waren, Werbekampagnen zu verzögern. Im neuen Jahr stellt sich die Situation ganz anders dar und Werbeflächen bleiben vielerorts leer. Jetzt bietet sich die Gelegenheit günstig zu kaufen und neue Kommunikationsmittel und –wege zu testen. Im Idealfall haben diese neuen Ansätze beim nächsten Konjunkturaufschwung die Testphase durchlaufen und können so im Rahmen eines optimierten Marketingprozesses voll eingesetzt und genutzt werden.
Kulturprodukte haben in dieser Zeit gegenüber anderen Artikeln einen grossen Vorteil. Konsumenten kaufen in Zeiten der Rezession Produkte, von denen sie sich einen nachhaltigen Wert versprechen, der über den unmittelbaren Konsum hinaus geht. Und das ist ein Wert, welcher der allgemeinen Auffassung nach Kulturprodukten inhärent ist. Wer es versteht, dies erfolgreich zu kommunizieren, wird in der Lage sein, den negativen Einfluss von zurückgehenden Besucherzahlen und Spenden deutlich zu verringern und sich darüber hinaus für den in der Zukunft erhofften Konjukturaufschwung gut zu positionieren.

Freitag, 1. Mai 2009

Cross Generational Communication

Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, Dezember 2008
Seit einigen Jahren arbeiten vier Generationen gemeinsam an Amerikas Arbeitsplätzen: die sogenannten Traditionalists, Baby Boomers, Generation X und Generation Y. Dieser Mix von Generationen im Berufsleben hat viele Fragen insbesondere in den Bereichen Führung und Kommunikation aufgeworfen.
Sowohl die National Performing Arts Association als auch die American Museum Association widmeten dem Thema „Cross Generational Communication“ während ihrer 2008 Konferenzen diverse Vorträge, Seminare und Workshops. Die Vertiefung des Themas wird in einer Phase aufgegriffen, in der ein Grossteil der amerikanischen Kulturinstitutionen vor einem Führungswechsel steht. In diesem Jahr gehen die ersten Baby Boomers in Rente und an ihre Stelle wird die zahlenmässig schwächere Generation X treten.
Zunächst einmal geht es darum Generationsunterschiede zu erkennen und benennen und Kulturmanager-Nachwuchs zu fördern. Die Kulturmanager stimmen überein, dass allgemein zu wenig für die Förderung der Nachwuchs-Führungskräfte getan wird. Während der Konferenzen wurden folgende Empfehlungen diskutiert:
- Investitionen in jüngere Führungskräfte und die Wertschätzung ihrer neuen Ideen
- Entwicklung von Strategien zur Einbindung von Führungskräften verschiedener kultureller und ethnischer Herkunft, die das aktuelle Gesellschaftsbild reflektieren
- Möglichkeiten schaffen, die das Aussteigen aus dem Berufsleben für die Baby Boommers Generation vereinfachen
- Förderung der Kommunikation unter den Generationen
- Aufbrechen stark hierarchischer Organisationsformen und die Entwicklung hin zu demokratischen Organisationsformen
- Arbeitsplätze schaffen, die Zeit für Familienleben lassen
Um die Kulturinstiutionen gemeinsam in eine erfolgreiche Zukunft zu führen, ist die Weiterentwicklung und Ausgestaltung dieser Empfehlungen essentiell. Während die Umsetzung dieser Empfehlung zu grossen Teilen in den Händen des Managements liegt, ist die Kommunikation der Generationen untereinander eine Herausforderung für alle Mitarbeiter und wurde entsprechend intensiv diskutiert. Über den sehr offensichtlichen Unterschied im Umgang mit elektronischen Medien und elektronischer Kommunikation hinaus, gibt es weitere durch Erziehung und Zeitgeschehen generationsbedingte Unterschiede insbesondere in den Bereichen Teamarbeit, Sprache, Umgang mit Konflikten und Respekt von Autorität.
Bei allen Unterschieden und Herausforderungen des Generationen-Mixes: Es verbindet die grundsätzliche Motivation und Leidenschaft, Advokaten der Kultur zu sein und die Kultur mit Anderen teilen zu wollen.

Sonntag, 26. April 2009

Umweltschutz - Going Green

Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, September 2008
Während der Benzinpreis sich für die Verbraucher in den Vereinigten Staaten innerhalb des letzten Jahres verdoppelt hat, erreichte die Diskussion zum Thema Umweltschutz bisher unbekannte Dimensionen. Unter den Titeln "Green", "Sustainable", "Eco-friendly" werden Strategien zum Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften mit Resourcen auf breiterer Basis diskutiert als je zuvor. Diese "grüne" Welle hat auch die Kulturinstitionen erreicht.
Die Zeitschrift fuer die Nonprofit Welt "Chronicle of Philanthropy" widmete dem Thema im Juni den Titel "Going Green". Vorgestellt wurden Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs, Recycling von Büromaterial, die benzinsparende Fahrt zur Arbeit und die umweltverträgliche Instandhaltung von Gebäuden und Anlagen. Unter Managementaspekten wurde die Einbindung und Motivation der Mitarbeiter zu diesen Projekten erörtert.
Mitglieder der American Museum Association gründeten im Mai das Professional Interest Committee Green, die erste Neugründung in den letzten zehn Jahren. Die Arbeitsgruppe unterstützt durch Dialog, Datenaustausch, Fallstudien und Netzwerke "Grüne Initiativen" mit dem Ziel Umweltbewusstsein nachhaltig in der Organisationsentwicklung von Museen zu verankern.
Amerikanische Kulturinstitutionen sind auch beim Thema Umweltschutz projektbezogen auf staatliche Förderungen, die sogenannten "grants", und Förderungen durch Stiftungen angewiesen. Während die Informationsmöglichkeiten und Interessensgruppen zum Thema Umweltschutz täglich wachsen, sind die finanziellen Resourcen für Kulturinstitutionen zur Umsetzung von umweltfreundlichen Konzepten derzeit noch begrenzt. Da das Thema des Umweltschutzes auf Regierungsebene und in allen Bevölkerungsschichten intensiv diskutiert wird, kann damit gerechnet werden, dass auch die für Kulturinstitutionen zugänglichen finanziellen Mittel für diesen Bereich bald deutlich wachsen werden.
Im Alltag ist Mülltrennung ist in vielen amerikanischen Gemeinden noch keine Option und auch Regentonnen sind zum Beispiel weitgehend unbekannt. Umweltschutz ist in Deutschland, dem Land der staatlich subventionierten Solarzellen, der Abgasuntersuchung von Autos und der mehrfachen Mülltrennung weit fortgeschritten - eine gute Möglichkeit für deutsche Kulturschaffende sich mit amerikanischen Kollegen auszutauschen und erfolgreiche Konzepte aus Deutschland vorzustellen.

Social Networking

Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, Juli 2008
Viele amerikanische Kulturinstitutionen suchen die Begegnung mit jungen Menschen dort, wo sie einen Großteil ihrer Zeit verbringen – im Internet. Soziale Netzwerke bieten Privatpersonen und Organisationen Möglichkeiten, kostenlos Profile ins Internet zu stellen. YouTube, MySpace und Facebook sind beliebte Plattformen, auf denen kurze Videoclips, Podcasts und Informationen zu Institutionen und Events aufgeführt werden können. Im Unterschied zu herkömmlichen Internet-Seiten sind diese Seiten durch eine Vielzahl von speziellen Anwendungen interaktiv, wie etwa durch Live-Chat, E-mails, Videos, das Austauschen und Ergänzen von Dateien ("file sharing"), blogging und Diskussionsgruppen. Freunde und Fans werden automatisch über updates auf der Seite informiert. Unzählige Anwendungen und Designelemente, meist bereits in die jeweilige Plattform integriert und wiederum kostenlos zur Verfügung gestellt, ermöglichen eine individuelle Gestaltung des Profils.
Kulturinstitutionen können hier Inhalte einer Zielgruppe präsentieren, die sonst kaum über klassische Werbemaßnahmen zu erreichen ist. Auf den vorgestalteten Seiten können in einfachem technischen Rahmen Programm-Mitschnitte audio-visuell präsentiert werden, Diskussionsforen zu besonderen Themen eingerichtet und Feedback gesammelt werden. Das Ziel ist eine Gemeinschaft, die das Interesse an der Institution oder dem Programm verbindet, zu vernetzen. Dies kann eine durchaus gewünschte Eigendynamik entwickeln. Die Besorgnis vieler Kulturschaffender, dass Inhalte durch fremde Beiträge manipuliert und ein gewünschtes Diskussionsniveau nicht gehalten werden kann, hat sich bisher wenig bestätigt.Vielmehr bietet ein Forum die Möglichkeit für Interessierte, sich untereinander und mit der Kulturinstitution über ein Thema auszutauschen – und zwar weltweit.
Viele Institutionen, die unter Kostendruck stehen oder wenig Personal haben, engagieren Studenten, um die Websites der Institutionen in den jeweiligen Internet-Plattformen einzurichten, zu gestalten, zu pflegen und in enger Absprache mit den Mitarbeitern der Institution, weiter zu entwickeln. Eben Studenten waren die ursprüngliche Zielgruppe der Social Networking Sites und sie sind es auch, die häufig schon viel Erfahrung bezüglich der Gestaltung der Websites mitbringen, um diese fuer virtuelle Besucher – nicht nur jüngeren Alters – interessant zu machen.
Dass Kulturinstitutionen diesen Trend durchaus anführen können, zeigt die im Rahmen des 2008 MUSE Awards preisgekrönte Facebook Anwendung ArtShare, die von Mitarbeitern des Brooklyn Museum entworfen wurde.

Neuigkeiten zum Thema Soziale Netzwerke:
http://philanthropy.com/news/conference/9340/why-social-media-shouldnt-be-a-department

Internet-Spenden

Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, Mai 2008
Während die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten bis zu 75% der Spenden für ihre Kampagnen über das Internet einwerben, liegt der durchschnittliche Anteil von Internet-Spenden am gesamten Spendenvolumen der Non-Profit Organisationen in den USA bei ca. 6%.
Für Kulturinstitutionen sind Internet-Spenden immer noch ein neues Feld, für das sich bisher noch keine "Best Practices" etabliert haben. Aus der Trendforschung lassen sich folgende Tendenzen ableiten:
Ein Zehntel aller Spender in den USA gibt über das Internet, dabei handelt es sich im Wesentlichen um junge, besser verdienende Menschen.
Zwei Drittel aller Internet-Spenden betragen weniger als $100
"Bequemlichkeit" ist der Grund, warum Spender den Weg über das Internet-Portal der Non-Profit Organisation suchen.
Ein Fünftel der Spender gibt an, als Reaktion auf eine Spendenaktion der Non-Profit Organisation zu handeln.
Die Gründe, nicht über das Internet zu spenden, lauten:
- Kein Internet-Zugang
- Die Organisation stellt keine Informationen zu Internet-Spenden bereit.
- Sicherheits-Bedenken.
Das Internet-Spendenportal ist eine kostengünstige Alternative, Kleinspenden einzuwerben. Wichtig ist, die Integration der Internet-Spenden in die allgemeine Fundraising- und Marketing-Strategie. Die Spender sollten bei jedem einzelnen Schritt der online-Transaktion an den Verwendungszweck der Spende erinnert werden; die junge Zielgruppe ist mit anderen Botschaften als der durchschnittliche, ältere Kulturnutzer und –spender zu erreichen.

Die Validierung der Demokratie der Künste: Eine Debatte zur Qualität von Künstlern und Kultur

Die Frage, wer Qualität in der Kultur beurteilen darf, ist auch in den USA keine abstrakte, intellektuelle Debatte, sondern ein Machtkampf ...